Kaffee und mystische Literatur

Die Kaffeehauskultur ist auch mit Literatur verknüpft. Um die Jahrhundertwende war es üblich im Kaffeehaus zu lesen und auch Lesungen verschiedenster Literaten beizuwohnen. Im Zusammenhang mit dem Trend rund um den Absinth wurden auch mystische und magische Themen im Kaffeehaus gesellschaftsfähig.

"The Book Ibbur", page 7 from the book "Der Golem", illustrated by Hugo Steiner-Prag
Gustav Meyrink war ein österreichischer Schriftsteller der Hauptsächlich in Prag und München lebte, wo er auch die meisten seiner Bücher schrieb und seine Kontakte zu esoterischen Gruppen, zur Freimaurerei und zur magischen Szene aufbaute. 1903 war er Redakteur der Zeitschriften Lieber Augustin und Simplicissimus. Von 1911 bis zu seinem Tod 1932 lebte er in Starnberg. Meyrink verfasste phantastische Romane mit übersinnlichen Phänomenen und dem metaphysischen Sinn der Existenz (Der Golem, Das grüne Gesicht, Der weiße Dominikaner, Der Engel vom westlichen Fenster). In Prag war Meyrink Mitglied der theosophischen Okkultistenloge „Zum blauen Stern“, in der er den Schriftsteller Karl Weinfurter kennenlernte. Die Loge tagte entweder in seiner privaten Wohnung oder in einem seiner Prager Lieblingscafes. Auch gibt es verschiedene Geschichten rund um ihn und seine Freunde die über Selbstversuche mit Kaffee und Haschisch berichten.

Die Zeit der Kaffeehausliteraten

Das Kaffeehaus fand seine besondere Funktion als literarische Werkstätte in der Zeit des Fin de siècle, als sich vor dem Ersten Weltkrieg der Zerfall Österreich-Ungarns bereits abzeichnete. Die mit dem Anschluss Österreichs einsetzende Vertreibung und Verfolgung des jüdischen Großbürgertums, das eine tragende intellektuelle Rolle innehatte, setzte der Zeit der Kaffeehausliteraten ein Ende, wenn auch manche Schriftsteller ihre Arbeit im Exil fortsetzten.

Berühmte Cafes

Besonders bekannte Literaten- Kaffees waren das Cafe Griensteidl, das Cafe Central und das Cafe Museum in Wien. Diese Lokale dienten den Autoren als Inspiration für Sozialstudien, Gelegenheitsliteratur und Feuilletons. Auch in anderen Städten der Monarchie, wie Prag, Budapest, Pressburg und Brünn entstand Kaffeehausliteratur.

Heute beschränkt sich die Literatur im Kaffeehaus hauptsächlich auf eher selten gewordene Lesungen und Zeitschriften die zwar oft aufliegen, doch auf Grund der zunehmenden Unsitte sich permanent mit dem Smartphone zu beschäftigen immer weniger Aufmerksamkeit finden.

 

Kaffeehauskultur

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