Schach im Kaffeehaus

Wann das Schachspiel erfunden wurde, wissen die Geschichtsforscher nicht genau. In Indien wurden Texte über das Schachspiel aus dem Jahre 570 gefunden. Es war eine unblutige Kriegssimulation, korrespondierend zur Zusammensetzung und Aufstellung des indischen Heeres. Den Befehl hatte der König, dem ein Berater – das ist heute die Dame – zur Seite stand. Von Indien war es nur ein kleiner Schritt ins benachbarte Persien. Und als die Araber um 650 Persien überfielen, nahmen sie das Schachspiel mit in ihre Heimat. Der persisch-arabische Ausruf “Shah mat!” (Schachmatt!) bedeutet übrigens: Der König ist tot.

Die Weizenkornlegende

Die Weizenkornlegende kennen viele. Der Legende nach  hat der Brahmane Sissa das Schachspiel entwickelt, um den indischen Tyrannenherrscher Shihram auf seine Fehler aufmerksam zu machen. Schach war die Möglichkeit den Herrscher mit den Problemen der strategischen Kriegsführung zu konfrontieren ohne ihn zu kritisieren. Der Despot ließ das Spiel verbreiten und gewährte dem Erfinder einen Wunsch. Dieser forderte, ihm die 64 Spielfelder exponential mit Weizenkörnern zu füllen. Auch heute noch stellen viele Mathematikprofessoren ihren SchülerInnen die Aufgabe zu errechnen wie viele Körner, oder Waggonladungen von Körnern sich aus der auf den ersten Blick bescheidenen Forderung ergeben.

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Schach in Österreich und Deutschland

In den nächsten Jahrhunderten verbreitete sich Schach über Nordafrika und Spanien nach Europa. In Wien war Schach schon im hohen Mittelalter bekannt, doch dauerte es lange bis es wirklich zum Trend wurde.

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts erlangte das Schachspiel mit dem Entstehen von Kaffeehäusern eine zunehmend wichtigere Rolle.
Talente wie  Wilhelm Steinitz (1. Schachweltmeister), Berthold Englisch, Georg Marco, Savielly Tartakower, Richard Réti und viele andere zogen aus verschiedensten Gegenden des österreichischen Kaiserreiches in die Reichshauptstadt und begannen damit die sogenannte „Goldene Wiener Schachära“.

Schach wurde in dutzenden Kaffeehäusern gespielt – um die Ehre, öfter um Einsatz. Wichtigster Treffpunkt war bis 1938 das Café Central. Zu Zeiten des 1. Weltkriegs begann der Niedergang der Schachkultur in Österreich. 1938 kam mit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich das internationale Schachleben in Wien zum Stillstand.

 

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Diesem Thema und auch dem Wiederaufblühen der Schachkultur in Österreich widmet sich das Buch von Michael Ehn.

Geniales Schach im Wiener Kaffeehaus 1750-1918 Gebundene Ausgabe, (3. März 2017) von Michael Ehn gibt es bei Amazon.

Buchkritik aus erster Hand können wir derzeit leider noch keine bringen, denn wir haben es noch nicht zu Ende gelesen. Empfohlen wurde es uns aber schon von mehreren Seiten.

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Kaffeehauskultur Kaffeewissen

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